im liegen

neben ihr die bettwäsche zu einem knäuel, ausgewürgt und abgezogen mit allem, was an ihr haften geblieben.

mein schreiben ist sand,

sagt sie und streckt im liegen die arme von sich,

nach jahrmillionen der erosion angespült, bis er abgegraben, zu beton verpanscht, in geometrisches gegossen, verhärtet.

*

sie hatte:

an 1 identität gebaut, die nicht kompatibel,

das durch menschen gehen wie rückenkraulen perfektioniert; sie taucht, 23, 24, hoch, 1, 2, das wasser perlt abweisend.

*

warum sie sich alles so schwer mache

nach

welchen film/welche serie heute

die häufigste frage.

sie saugt die luft zwischen den zähnen ein, die sich davor angestaut hat, ich mache gar nichts, ich bin nur und sehe zu, wie alles

*

er lehnte sich gegen die stählerne tür, seine präsenz von solchem gewicht im kosmischen netz meiner wahrnehmung, dass sich mit dem lehnen alles bog. er lehnte sich und ich spürte seine masse, das jackett vom schweiß feucht, mit dem es sich auf der bühne vollgesogen im sprühregen der aufmerksamkeit.

ich lehnte mich gegen sein lehnen und fiel hindurch.

wochenbilanz

die stories, die ich erzähle, sind keine stories,

sie sind a n s ä t z e, a n l a u f, s p r i n t, doch zum sprung fehlt die kraft

(dein anlauf ist gut, hat die sportlehrerin immer zu mir gesagt)

dann versickert mein erzählen

*

in meiner arbeit versunken

im elfenbeinturm,

der versuch, hinabzuklettern.

wir sind zu dritt im turmzimmer,

die schildkröte, die stubenfliege, ich,

alle fenster zeigen nach draußen.

ich verscharre mich im dunkeln,

werde konturlos,

die fliege zittert im gegenlicht,

die schildkröte im wasser

*

jeden tag 1 neue grenze

zu überschreiten,

reflexartig trete ich zurück

*

seit drei tagen an 170 zeilen schreiben,

den ersten zu müde,

an den zweiten kaum erinnerung,

am dritten die wand anstarren,

die sich vor mir aufgebaut

*

die stimmen im haus klingen wie unter wasser,

gedämpft, ertrunken;

distanz, durch die wände zu spüren

*

die woche stürzt über mir zusammen

wie schneebeladenes dach.

ich kaufe ein ebook über tränen

und hoffe auf antworten

Procrastination through vampirism

Diagnose motion discomfort

aber das Leben setzt den Lauf trotzdem fort, also bleibt mir nur das: Aussteigen

Wir sind Vampir, unsere Haut brennt in der Sonne, tsch, halb transparentes Pergament über meinen Schädel, meine Eingeweide haben aufgehört zu pulsieren. We don’t care.

Wir schauen Tarkovskys Stalker in schlechter Qualität auf Russisch mit deutschem Untertitel.

Jmd hat gesagt, wer keine Kinder bekommt, entziehe sich der Verantwortung. Jmd anderes: wer keine Kinder bekommt, würde nie reif genug fürs Leben werden.

Vielleicht gibt es einen Stichtag, an dem sich aus irgendeinem Grund etwas dreht?

Gefühle, die sich wie Käfer krümen, auf dem Rücken liegend. Wir schalten Gatsby mit Redford aus und treiben sommernachts tot im Pool. Die Jahre legen sich übereinander, ich lese das Sommerbuch, vor mir nur eine Wand. Morgens im Wald an den Antichristen denken, die Szene, in der sich über Nacht die Zecken am Arm verbissen. (wir sind verbissen, saugen, du bist saugnapf)

Nachts ist mir nach Rausgehen, übers Fenster steigen wir, vereinsamt, bauen innere Barrikaden, ich streiche dir Haare aus der Stirn, wir wissen nicht, was wir tun, und rasen zum Abgrund, bis ich aufschrecke.

„Früher hörte ich das Pochen“, sagst du. Jetzt nichts.

Still geworden zupfen wir an Saiten, spielen uns den Puls selbst.

Das Verstreichen der Zeit: erregend.

Schreiben

Wörter wie ein Schwarm, der meinen Kopf umkreist. Wenn ich sie erschlage, bringe ich sie zu Papier, Flecken, nichts anderes, und der Taumel der Flugbewegung ist aus ihnen gewichen.

Risotto und Rauschen

Heimkommen abends, heißt: in die Wohnung kommen, einen Luftzug hineinlassen (müssen), und sie schnell verschließen, wegsperren vor der Welt. Ein Piepsen, ich rühre im Risotto, summe, bin eine Filmfigur, im Film würde ich mich mögen, so summend, das Rauschen der Spülmaschine, Tischspülmaschine, im Rücken, aber es prallt nicht ab. Es bricht über mir, in Wellen, ein Waschgang, der mein Oben und Unten verdreht und die Küche, als fiele ich in ein (schwarzes) Loch mit dem Risotto. Vielleicht bliebe mir das erspart, als Filmfigur, wenn sich extradiegetisch Musik über das Rauschen legen würde, ohne mein Zutun. Im Film sieht man den Nachthimmel noch, auch wenn die Stadt zu hell, im Film ist alles möglich: ein Patronus-Zauber, im Wald leben, Freiheit. Es sei denn man fragt Adorno.

Im Nirgendwo

Der schönste Moment eines Tages ist sein Anbruch. Wenn der schwarze, mit Sternen gesprenkelten Nachthimmel langsam in Blau übergeht und sich am Horizont eine rosafarbene Linie bildet. Ich habe diesen Moment häufig erlebt, doch nie war ich mir seiner Schönheit so bewusst, wie an jenem Morgen nach dem Abend unserer ersten Begegnung. Ich erinnere mich genau. Meine kalten Füße sind es, die mich zum richtigen Zeitpunkt wecken. Bei Morgenanbruch sinkt die Tagestemperatur auf ihr Minimum, hab‘ ich gelesen. Und ich glaube, das ist Absicht, weil der Tag uns wecken will, damit wir diesen einen Moment spüren, der sich vor den Morgen und seine Geschäftigkeit schiebt. Dieser eine Augenblick, in dem der Motor aussetzt, ehe er beschleunigt. Und die Zeit kurz rückwärts geht.

Ich ziehe die kalten Füße näher an meinen Körper, der sich an den unbequemen Beifahrersitz schmiegt. Nehme einen tiefen Atemzug. Die Luft riecht abgestanden, ein bisschen nach Leder und Imprägnierspray, nach alten Turnschuhen und Tequila-Atem. Vermischt mit dem Grundgeruch eines Autos, bei dem sich mir als Kind immer der Magen umgedreht hatte. Ich öffne die Augen. Vor mir setzt sich verschwommen ein Mikrokosmos aus staubigem Armaturenbrett, verschmierter Windschutzscheibe und verstummtem Autoradio zusammen. Hinter der Scheibe die Motorhaube mit dem Hagelschaden im Lack, der mich an sonnenverbrannte Haut erinnert. Und dahinter das vom Tau nasse Gras, das in seiner Summe eine Wiese ergibt. Auf dem Hügel einer endlosen Sinuskurve bis zum Horizont. Dem Horizont mit dem rosa Streifen.

Du liegst auf dem Fahrersitz, hast dich hinter dem Lenkrad klein gemacht, mit dem Gesicht zu mir gewandt. Du trägst nur Socken und ich hoffe, die Kälte weckt dich bald genauso wie mich. Ich betrachte deine Gesichtszüge, deine konturlosen Augenbrauen, die Schatten unter den geschlossenen Augen. An einer Schläfe kleben noch die Reste vertrockneter Wimperntusche, die du dir müde von den Wimpern gerieben hast. Deine Haut reflektiert das Blau und das Rosa des Himmels. Nur ganz leicht.

Hinter mir das Geräusch von nackter Haut, die sich bewegt und dabei gelegentlich am Ledersitz kleben bleibt. Ich habe fast vergessen, dass noch jemand mitgekommen ist, um mit dir und mir ins Nirgendwo zu fahren und alles zu vergessen.