Schreiben

Wörter wie ein Schwarm, der meinen Kopf umkreist. Wenn ich sie erschlage, bringe ich sie zu Papier, Flecken, nichts anderes, und der Taumel der Flugbewegung ist aus ihnen gewichen.

Risotto und Rauschen

Heimkommen abends, heißt: in die Wohnung kommen, einen Luftzug hineinlassen (müssen), und sie schnell verschließen, wegsperren vor der Welt. Ein Piepsen, ich rühre im Risotto, summe, bin eine Filmfigur, im Film würde ich mich mögen, so summend, das Rauschen der Spülmaschine, Tischspülmaschine, im Rücken, aber es prallt nicht ab. Es bricht über mir, in Wellen, ein Waschgang, der mein Oben und Unten verdreht und die Küche, als fiele ich in ein (schwarzes) Loch mit dem Risotto. Vielleicht bliebe mir das erspart, als Filmfigur, wenn sich extradiegetisch Musik über das Rauschen legen würde, ohne mein Zutun. Im Film sieht man den Nachthimmel noch, auch wenn die Stadt zu hell, im Film ist alles möglich: ein Patronus-Zauber, im Wald leben, Freiheit. Es sei denn man fragt Adorno.

Im Nirgendwo

Der schönste Moment eines Tages ist sein Anbruch. Wenn der schwarze, mit Sternen gesprenkelten Nachthimmel langsam in Blau übergeht und sich am Horizont eine rosafarbene Linie bildet. Ich habe diesen Moment häufig erlebt, doch nie war ich mir seiner Schönheit so bewusst, wie an jenem Morgen nach dem Abend unserer ersten Begegnung. Ich erinnere mich genau. Meine kalten Füße sind es, die mich zum richtigen Zeitpunkt wecken. Bei Morgenanbruch sinkt die Tagestemperatur auf ihr Minimum, hab‘ ich gelesen. Und ich glaube, das ist Absicht, weil der Tag uns wecken will, damit wir diesen einen Moment spüren, der sich vor den Morgen und seine Geschäftigkeit schiebt. Dieser eine Augenblick, in dem der Motor aussetzt, ehe er beschleunigt. Und die Zeit kurz rückwärts geht.

Ich ziehe die kalten Füße näher an meinen Körper, der sich an den unbequemen Beifahrersitz schmiegt. Nehme einen tiefen Atemzug. Die Luft riecht abgestanden, ein bisschen nach Leder und Imprägnierspray, nach alten Turnschuhen und Tequila-Atem. Vermischt mit dem Grundgeruch eines Autos, bei dem sich mir als Kind immer der Magen umgedreht hatte. Ich öffne die Augen. Vor mir setzt sich verschwommen ein Mikrokosmos aus staubigem Armaturenbrett, verschmierter Windschutzscheibe und verstummtem Autoradio zusammen. Hinter der Scheibe die Motorhaube mit dem Hagelschaden im Lack, der mich an sonnenverbrannte Haut erinnert. Und dahinter das vom Tau nasse Gras, das in seiner Summe eine Wiese ergibt. Auf dem Hügel einer endlosen Sinuskurve bis zum Horizont. Dem Horizont mit dem rosa Streifen.

Du liegst auf dem Fahrersitz, hast dich hinter dem Lenkrad klein gemacht, mit dem Gesicht zu mir gewandt. Du trägst nur Socken und ich hoffe, die Kälte weckt dich bald genauso wie mich. Ich betrachte deine Gesichtszüge, deine konturlosen Augenbrauen, die Schatten unter den geschlossenen Augen. An einer Schläfe kleben noch die Reste vertrockneter Wimperntusche, die du dir müde von den Wimpern gerieben hast. Deine Haut reflektiert das Blau und das Rosa des Himmels. Nur ganz leicht.

Hinter mir das Geräusch von nackter Haut, die sich bewegt und dabei gelegentlich am Ledersitz kleben bleibt. Ich habe fast vergessen, dass noch jemand mitgekommen ist, um mit dir und mir ins Nirgendwo zu fahren und alles zu vergessen.